Beginnen wir mit der
Konfliktfähigkeit. Ich möchte zuallererst ein sehr böswilliges Gerücht aus der
Welt schafften: "Konfliktfähigkeit ist eine Eigenschaft, die man hat, oder eben nicht." Das ist einfach nicht richtig. Es gibt grundlegende eigene Verhaltensstrategien, Sichtweisen und Handlungsmuster, nach denen man agiert. Aber Konfliktfähigkeit ist eine Fähigkeit, die erlernt werden kann! Für den einen ist es vielleicht schwieriger aus den eigenen Handlungsmustern auszusteigen, als für einen Anderen. Aber erlernen kann das jede/r.
Die einzige
Grundvoraussetzungen zur Konfliktfähigkeit ist die Bereitschaft sich auf neue Sichtweisen und
Perspektiven einzulassen und eine Veränderung auch zuzulassen!
Vielleicht in diesem
Zusammenhang auch noch ein paar Worte zu vorhandenen Verhaltensstrategien und
Handlungsmuster:
Eine wichtige
Voraussetzung für ein mögliches Verständnis über die individuellen
Verhaltensweisen der Menschen, sind die Informationen darüber, wie der Mensch,
bzw. vor Allem wie sein Gehirn, funktioniert:
Bekannt ist, dass
das menschliche Gehirn hochkomplex und vielfach vernetzt ist. Mittlerweile
wurde jedoch auch neurobiologisch bewiesen, dass unser faszinierendes Gehirn
sich auch zeitlebens verändern und entwickeln kann.
Zum Zeitpunkt der
Geburt sind die Nervenverbindungen noch nicht festgelegt. Sie verbinden sich
erst im Laufe der Zeit miteinander. Wie diese Verbindungen jedoch erfolgen,
hängt von den konkreten Erfahrungen ab, welche gemacht werden bei der
Bewältigung von Herausforderungen. Mit diesen Erfahrungen sind Reaktionen der
Umwelt gemeint. Wenn eine bestimmte Verhaltensweise als gut befunden wird, so
wird diese automatisch positiv bestärkt. Wir wenden diese, als gut befundene
Strategie, also weiterhin an. So wird sie immer weiter verstärkt.
Beim Thema Konflikt
ist eine sehr stark ausgeprägte Bewältigungsstrategie ist die Vermeidung. Das
dahinter stehende erlernte Prinzip könnte sein: "Man darf jemand Anderen
nicht weh tun." Vielleicht wurden aber auch Tabus vielfach bestärkt: "Man
darf dieses oder jenes nicht..: Unabhängig von den
dahinterliegenden Gründen, der Effekt ist der selbe: Der Glaube über die
Interpretation des jeweils anderen ("Das wird ihn/sie verletzen, wenn ich
das so sagen") erschwert den Umgang mit Konflikten.
Gerade bei Konfliktsituationen ist das Wissen über Wahrnehmungen und Interpretationen essentiell. Jetzt wird sich der/ die eine oder andere vielleicht denken: "Eh klar. Jeder betrachtet die Dinge aus seiner eigenen Perspektive. Schon 100 Mal gehört und gelesen." In der aktuellen, informationsüberfluteten, Zeit haben Sie hierüber vielleicht schon sehr viel gelesen, oder gehört. Etwas zu hören und es dann auch in der Praxis umzusetzen sind jedoch 2 unterschiedliche Dinge. Vielleicht findet die Umsetzung im stressigen Arbeitsalltag einfach keinen Raum und auch keine Zeit?
Nun das Ding mit
Konflikten ist: Hier sollte es Zeit und Platz finden, da es für die
Konfliktlösung unerlässlich ist. Und wie komplex die Kommunikation und die
Interpretation der Wirklichkeit ist, hat Paul Watzlawick bereits 2005 sehr
treffend in seinem Buch "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?"
beschrieben.
Was ich denke, dass
er denkt, dass ich denke... Watzlawick nennt dies Interdependenz. Gemeint
ist damit, dass Menschen in ihrem Dasein aufeinander eingestellt und
angewiesen sind.
Damit die Interdependenz jedoch richtig funktioniert sollten alle Betroffenen dieselbe Wirklichkeitsauffassung
haben. Jeder Mensch hat aber eine eigene Wirklichkeitsauffassung. Deshalb
kann davon ausgegangenen werden, dass:
Das was man glaubt,
dass der andere denkt, ist NICHT zwangsläufig das, was er auch tatsächlich
denkt.
Was braucht es um aus dem Dilemma der unterschiedlichen Interpretationen auszusteigen? Klarheit! Die Dinge müssen in einem ersten Schritt "einfach" ausgesprochen werden. Somit der 1. Schritt in der Konfliktlösung: Die Klärung der eigentlichen Problemstellung!
In dieser ersten
Phase wird versucht das eigentliche Problem auf Sachebene zu identifizieren.
Alle Beteiligten erhalten die Möglichkeit Ihre Wahrnehmungen zu der Sachlage zu
schildern.
Das Klären der Rolle
der Führungskraft in diesem Gespräch ist wesentlich. Sofern sie nicht selbst betroffen ist, ist sie ist ein neutraler
Moderator und verantwortlich für die Einhaltung der Struktur und des Prozesses.
Zu den Aufgaben gehört auch, darauf zu achten, dass das Gespräch wertschätzend
geführt wird. Emotionale Äußerungen und auch Angriffe werden thematisiert, und
paraphrasiert.
Wie genau das
Thematisieren und auch Paraphrasieren solcher emotionaler Äußerungen und
Angriffe erfolgen kann, kommt in meinem nächsten Artikel.